Interviews mit und über Anton Schmitt

Interview: Der Lampertheimer Philosoph Anton Schmitt spricht über Gott

und die Welt – und über sein neues Projekt, das am Freiwilligentag beginnt

„Kant hat mich noch niemals enttäuscht“

Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Rauschelbach

Lebt nicht im Elfenbeinturm, sondern mitten unter den Menschen: der kommunikative  Lampertheimer Philosoph Anton Schmitt.
Lebt nicht im Elfenbeinturm, sondern mitten unter den Menschen: der kommunikative Lampertheimer Philosoph Anton Schmitt.

Lampertheim.

Anton Schmitt bietet seit mehreren Jahren Philosophiekurse bei der 
Lampertheimer Volkshochschule an. Diese Kurse erfreuen sich nachhaltiger Beliebtheit. Jetzt hat Schmitt neue Pläne: ein Philosophisches Forum für öffentliche Meinungsäußerung.  

Anton Schmitt 
Der in Lampertheim lebende Anton Schmitt (59) bietet seit 25 Jahren Philosophiekurse an der Mannheimer Abendakademie an. 

Die Lampertheimer Volkshochschule hat jährlich mehrere Philosophiekurse unter der Leitung von Anton Schmitt im Programm. 

Neu auf den Weg bringt Schmitt ein Philosophisches Forum für öffentliche 
Meinungsäußerung. Erste Termine:  17. September, 6. November, 4. Dezember. 

 



Schmitt war schon mit 14 Jahren klar, dass er Philosophie studieren will. 
Nach seinem Abitur an der AMS in Viernheim ging er an die Münchener Jesuiten -Hochschule für Philosophie. 
Er studierte an mehreren Philosophischen Fakultäten unter anderem in Bonn und Köln. 

 

 


Heute arbeitet Schmitt an der Fernuniversität Hagen. Er bietet Philosophiekurse in Mannheim, 
Lampertheim, Hockenheim und Speyer an und hat einen Lehrauftrag an der Hochschule für 
Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen. Ferner hält er Seminare an der TU 
München.


Herr Schmitt, was begründet das nachhaltige Interesse an der Philosophie?  


Anton Schmitt: Die Philosophie hat vor 20 Jahren eine Renaissance erlebt. Das hatte mit der 
Erfahrung vieler Menschen zu tun, dass es immer schwieriger wird, in unserer Zeit noch 
Orientierungsmaßstäbe zu gewinnen. Die Lebensentwürfe sind nicht mehr so vorgegeben, wie  in früheren Generationen.  


Verstehen Sie Philosophie als Lebenshilfe im weitesten Sinn?  

Schmitt: Ja, darin besteht mein Hauptanliegen. Ich lege Wert darauf, dass die Seminare den 
Teilnehmern wirklich etwas bringen, also nicht im Sinne einer Belehrung und einer 
Anhäufung von Wissen. Mir geht es darum zu zeigen, wie Philosophie dazu beitragen kann, 
das Leben zu verbessern und zu vertiefen.  

Nun wird Philosophie gemeinhin als abstrakt oder abgehoben empfunden. Warum ist das so?  

Schmitt: Weil es so ist. Ganz einfach. Das hat etwas mit einem gewissen Qualitätsniveau zu 
tun, auf dem sich philosophisches Denken ereignet.  

Leisten Sie demnach eine Art Verständnis- oder Übersetzungshilfe?  

Schmitt: Das kann man so sagen. Die alte sokratische Methode besagt ja, bei eigenen 
Erfahrungen anzusetzen. Denn an den eigenen Erfahrungen kann man die Leute abholen.

 

Orientieren Sie sich dabei an der sokratischen Methode: Fragen zu stellen statt Antworten zu 
geben?  

Schmitt: Ja. Viele erwarten von der Philosophie Antworten auf ihre Fragen und sind dann 
enttäuscht, wenn das Gegenteil eintritt: Die Philosophie stellt in Frage, was immer schon als 
Überzeugung, als das Richtige oder das Wahre gegolten hat.  

Inwiefern kann die Philosophie vermeiden, ein Angebot unter vielen zu sein?  

Schmitt: Das liegt in der Philosophie selbst begründet. Das Abendland verfügt über eine 
mehrtausendjährige philosophische Tradition. Wir schauen in die Geschichte der Philosophie, 
um aus Überzeugungsgewohnheiten, in denen wir aufgewachsen sind, ausbrechen zu können. 
Die Philosophiegeschichte zeigt, dass es grundsätzliche Fragestellungen gibt, aber 
unterschiedliche Lösungen. Letztendlich wollen wir in die Lage kommen, Argumente 
selbstständig prüfen zu können. Philosophie lebt von grundsätzlicher Offenheit. In dem 
Moment, in dem jemand nicht mehr bereit ist, sich mit anderen Standpunkten 
auseinanderzusetzen, ist das Ende der Philosophie erreicht.  

Kann die Philosophie helfen, Dinge zu relativieren? Etwa bei der Empfindung, in der 
schlimmsten aller Zeiten zu leben  

Schmitt: Der philosophische Grundsatz lautet: Alles ist in Frage zu stellen und zu bezweifeln. 
An diesem Grundsatz kann man natürlich auch eine solche pessimistische Haltung messen. 
Aber einem Philosophen geht es stets um eine realistische Bewertung dessen, was ist. Und da 
lassen sich gewisse Kennzeichen für eine krisen- oder gar katastrophenartige Zeit durchaus 
erkennen. Man merkt das auch am Zuspruch auf bestimmte Themen: So interessiert die 
Besucher meiner Seminare vor allem die Themen Gerechtigkeit und Toleranz.  

Ist die Frage nach Gott nicht mehr aktuell?  

Schmitt: Doch, durchaus. Aber ein Glaube an Gott ist heute nicht mehr selbstverständlich. 
Doch im Grunde bleibt es eine Frage, die alle Menschen bewegt: Gibt es Gott und was hat 
man sich darunter vorzustellen?  

Aber wie geht man als Philosoph vor angesichts der großen Stofffülle?  

Schmitt: Es geht in der Philosophie immer um das Selbe, nämlich das Ganze. Stellen Sie sich 
ein Haus vor mit vielen Fenstern. Man kann aus vielen Fenstern hineinschauen, sieht immer 
den gleichen Innenraum, aber immer aus einer anderen Perspektive. Es ist also im Prinzip 
egal, mit welchen Philosophen man beginnt. Ich will schauen, wo für mich eine Tür - oder 
eben ein Fenster - aufgeht. Manchmal erschließen sich Philosophen leichter über 
Nebenschriften als über Hauptwerke. Auch Briefe oder Mitschriften von Vorlesungen können 
Türöffner sein.  

Gibt es für Sie Leitgestirne in der Philosophie?  

Schmitt: Eine starke Verbindung habe ich zu Kant, Hegel und Hume, weiter zurück zu Platon 
und Aristoteles. Das Gute bewährt sich und bleibt einem lebenslang erhalten. Von Kant kann 
man niemals enttäuscht werden. Kants Grundfragen: Was können wir wissen? Was sollen wir 
tun? Was dürfen wir hoffen? lassen sich zusammenfassen in der Frage: Was ist der Mensch? 
Diese Frage schlägt eine Brücke zurück nach Sokrates: Nur ein geprüftes Leben ist ein gutes

Leben. Natürlich kann man einfach so dahinleben, aber es gehört zur Dimension des 
Menschlichen, sich Gedanken über ein gutes Leben zu machen.  

Wie verhält sich ein Philosoph zur aufgewühlten Zeit, in der wir leben?  


Schmitt: Die aktuelle Situation relativiert sich, wenn ich mich mit der Menschheitsgeschichte 
befasse. Das schenkt ein wenig Gelassenheit.  

Wird man als Philosoph eher skeptischer oder optimistischer?  

Schmitt: Die Skepsis ist das Handwerkszeug des Philosophen. Insofern ist der Philosoph der 
universelle Protestant: Er protestiert gegen feste Überzeugungen. Er ist der Asket des Lebens. 
Aber ich selbst wünsche mir, weder skeptischer noch optimistischer, sondern realistischer zu 
werden.  

Kann man als Philosoph an Gott glauben?  

Schmitt: Francis Bacon hat gesagt: Ein wenig Philosophie macht einen zum Atheisten, mehr 
Philosophie macht einen zum Gläubigen.  

Also lohnt es sich, an dieser Stelle wachsam zu bleiben?  

Schmitt: Ja. Kant hat ja gezeigt, dass es unmöglich ist, Gott zu beweisen. Aber das heißt eben 
auch: Wir können nicht beweisen, dass Gott nicht existiert. In diesem Möglichkeitsraum 
findet der Glaube seine Rechtfertigung.  

Was planen Sie mit dem Philosophischen Forum?  
Schmitt: Ich bin da und man kann mit mir reden. Das ist eigentlich alles. Ich möchte mit 
jedem, den ein Thema bewegt, ins Gespräch kommen. Auftakt ist beim Freiwilligentag am 
Sonntag, 17. September, ab 11 Uhr, auf der Domwiese. Danach finden die Gespräche an 
jedem er sten Sonntag im Monat statt, außer in den Ferien oder an Feiertagen. Die nächsten 
Termine sind der 6. November und der 4. Dezember. Ort ist das Alte Rathaus.  

Braucht man für eine Teilnahme an diesem Gespräch philosophische Vorkenntnisse?  

Schmitt: Nein. Ich habe auch schon mit Kindern philosophiert. Selbst daraus sind viele 
interessante Gespräche entstanden.  

© Südhessen Morgen, Samstag, 06.08.2016